Ökumene als Pfingstwunder

Nachricht Nordhorn/Frenswegen, 20. Mai 2024

Ökumenischer Festgottesdienst - 50 Jahre Stiftung Kloster Frenswegen

Die Stiftung Kloster Frenswegen feiert in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen und hat dies am Pfingstmontag mit einem festlichen Tag und vielen hundert Gästen gefeiert.

In dem Ökumenischen Festgottesdienst predigten die Regionalbischöfin des Evangelisch-lutherischen Sprengels Ostfriesland-Ems, Sabine Schiermeyer, Weihbischof Johannes Wübbe vom Bistum Osnabrück und Dr. Susanne Bei der Wieden, Kirchenpräsidentin der Reformierten Kirche. Sie legten die Stiftungsmottoworte: Bildung - Besinnung und Begegnung aus. Mehr als 500 Gäste nahmen am Gottesdienst im Innenhof des Klosters teil.

Ökumene als Pfingstwunder

Ökumene sei wie ein Pfingstwunder, führte Regionalbischöfin Schiermeyer in ihrem Predigtteil über das Thema „Begegnung“ aus. „Pfingsten fand das eine Evangelium zum ersten Mal den Weg über vielerlei Muttersprachen in unterschiedlichste Menschenherzen. Durch Einheit in Vielfalt ebnete sich eine Geisteskraft ihren Weg, die nun in den Begegnungen der ökumenischen Bewegung zu sich selbst kommt“, so die Regionalbischöfin. 

Aus den Ruinen des Klosters Frenswegen sei ein Haus entstanden, in dem sechs Konfessionen ihre Muttersprachen des Glaubens in andere Ohren sprechen und sich gegenseitig inspirieren. 

„Eins fehlt noch“, betonte Schiermeyer: „Mein schönstes Bild vom Himmel ist das, wo wir alle zusammen an einem Tisch sitzen (hier in Frenswegen wäre er sechseckig für die sechs beteiligten Konfessionen). Wir essen und trinken, lachen und erzählen. Gott ist Gastgeber und sitzt zwischen uns, seinen Menschen. Seine gezeichneten Hände brechen das Brot und reichen den Weinkelch, seine Augen leuchten vor Liebe für seine bunte Menschenwelt.“ 

Musikalisch begleitet wurde der Festgottesdienst von der Mädchenkantorei des Bremer Doms und einem Projektposaunenchor der Gemeinden der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK). Der Festtag endete um 17 Uhr mit einem Reisesegen in der Klosterkapelle.

Die 2.700 Euro, die im Gottesdienst als Kollekte gesammelt wurden, sind bestimmt als Startfinanzierung für das neue Projekt der Pilgerherberge.

Grußworte überbrachten für die Stiftungsgründungsväter Präses Heidrun Oltmanns, Carl Ferdinand Fürst zu Bentheim und Steinfurt, sowie Landrat Uwe Fietzek. Sie alle betonten den einmaligen Charakter der Stiftung und deren Bedeutung weit über die Ökumene der Region hinaus.    

50 Jahre Stiftung Kloster Frenswegen

Das fürstliche Haus zu Bentheim und Steinfurt, der evangelisch-reformierte
Synodalverband Grafschaft Bentheim und der Landkreis Grafschaft Bentheim hatten sich vor 50 Jahren zusammengetan und im Mai 1974 gemeinsam die ökumenische Stiftung gegründet. Ihr Ziel ist es, das wunderschöne Kloster als Baudenkmal zu erhalten und in einer Form weiter zu nutzen, die seiner ursprünglichen Nutzung entspricht.

Das Kloster war 1394 als Augustiner Chorherrenstift gegründet worden und war im 19. Jh. von der katholischen Kirche in den Besitz des Fürstenhauses übergegangen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es auch als Flüchtlingsunterkunft genutzt. Noch heute haben Menschen aus der Umgebung Erinnerungen an die Zeit, im Kloster gelebt zu haben.

Die Renovierungsbedürftigkeit des Gebäudes war spätestens in den 70er Jahren offensichtlich geworden und bot Anlass für die Gründung der Stiftung Kloster Frenswegen.  Nach der Stiftungsgründung wurde es umfangreich restauriert. 
Eine von Studienleiter Ulrich Hirndorf konzipierte und eröffnete Fotoausstellung erinnert an die Zeiten des Umbruchs.

Heute dient das Haus als beliebtes Gästehaus, in dem Chöre und Orchester, Konfirmanden-Gruppen, Seminare von Universitäten und Hochschulen und viele andere Gruppen und Kreise einkehren.

Daneben wird das Kloster gerne als Ort für Ausstellungen und Konzerte genutzt. Es stellt eine beliebte Etappe für Fahrradtouren dar. Und nicht zuletzt dürfte es vielen Paaren aus Nordhorn und Umgebung als Kulisse für ihre Hochzeitsfotos bekannt sein.

Zur Gründung der Stiftung gehörte von Anfang das Anliegen, dass sich das Kloster Frenswegen als ein Ort für geistliches Leben in ökumenischer Perspektive etabliert.
So sind neben der ev.-reformierten Kirche auch die ev.-lutherische, die römisch-katholische, die ev.-altreformierte Kirche, die Baptistengemeinde Nordhorn und die Herrnhuter Brüdergemeine Neugnadenfeld mit in die Stiftung eingestiegen. In einer Zeit, in der Ökumene noch in den Kinderschuhen steckte, galt dieser Vorgang als sehr fortschrittlich.

Bis heute wird das Kloster nicht nur von Gruppen und Gästen belebt, sondern auch durch das inhaltliche Programm, das dort stattfindet.